Klimafittes Bauen

Klimafittes Bauen

Autor: Arch. BM DI Johann Oster MSc

Klimafittes Bauen im Stiefingtal

Der erste Schritt ist die Erstellung eines Leitfadens für Bauaufgaben im Stiefingtal

Der Leitfaden soll den interessierten Bauherren/Bauträgern und allen Bauschaffenden als Unterstützung zur Umsetzung ihrer Bauvorhaben in der Region Stiefingtal dienen. Mit dem Schlagwort „Klimafittes Bauen“ ist die Herausforderung gemeint, zum einen den von der EU vorgegebenen Klimaschutzzielen zu entsprechen (Mitigation), weiters den spezifischen regionalen Anforderungen gerecht zu werden, sowie die notwendigen Anpassungen an den aktuell stattfindenden Klimawandel (Adaption) in der beabsichtigten Bauaufgabe umzusetzen.

Dieser Leitfaden unterscheidet sich von den sonstigen „Bauratgeberbroschüren“ durch das klare Ziel in der Kleinregion Stiefingtal- Klimawandelanpassungs- Vorzeige- und Modellregion, Lösungsansätze  zu „klimafitten“ Kriterien wie z.B. Emissionsvermeidung (Mitigation) und zur Anpassung an den fortschreitenden Klimawandel (Adaptation) zu liefern. In diese Betrachtung wird auch der regionale baukulturelle Aspekt miteinbezogen, welcher durch eine eigene baukulturelle Erhebung in der Region Stiefingtal unterstützt wird. Dieser Leitfaden ist ein Teilprojekt zum übergeordneten Projekt „Klimafittes Bauen im Stiefingtal“ und soll der ganzen Region, den Gemeinden und der Regionsbevölkerung als Handlungsanleitung und Empfehlung dienen. Inhaltlich nimmt der Leitfaden Bezug auf in der Region Stiefingtal stattfindenden Bauvorhaben und den regionalen Voraussetzungen und Bedingungen, wobei sich die dabei getroffenen Ansätze zwar nicht eins zu eins auf andere Regionen der Steiermark bzw. Österreichs anwenden lassen, jedoch die Vorgangsweise bzw. „Herangehensweise“ an ein regionales Bauvorhaben durchaus beispielhaft für andere Regionen gelten kann.

Als Zielsetzung der für diesen Leitfaden begleitenden Arbeitsgruppe, ist nebst Pilotprojekten in den Stiefingtalgemeinden, auch die Entwicklung eines „Stiefingtalhauses“ genannt, somit fokussiert sich dieser Leitfaden primär auf die Bauaufgabe Wohnbau und der in der Region Stiefingtal erfolgten und zu erwartenden Ausprägung. Somit wird primär die Betrachtung auf die Konzeption von Einfamilienhäusern, Doppelwohnhäuser und auch Mehrfamilienhäusern bis zu einer bestimmten Gebäudeklasse gemäß OIB Richtlinie gerichtet sein, jedoch nicht die im städtischen Bereich übliche Konzentration und Größe von Bauvorhaben. Ebenso werden in der Leitlinie keine betrieblichen Bauvorhaben des Gewerbes und der Landwirtschaft ( abgesehen von betriebszugehörigen Wohnhäusern ) sowie Bauvorhaben der öffentlichen Hand berücksichtigt.

Dieser Leitfaden soll primär den Bauherren/innen dienen, welche erfahrungsgemäß nicht auf eine umfassende Riege von Fachplanern zurückgreifen können. Für die Realisierung eines Bauvorhabens sind nebst den folgenden Betrachtungen des „Klimafitten Bauens“ sehr umfangreiche Kriterien aus der Raumordnung ( Flächenwidmungsplan- bzw. Bebauungsplanung ) der Baugesetzgebung, der normativen Landschaft aus OIB Richtlinien und Ö-Normen, zu beachten. Im gegenständlichen Leitfaden wird an manchen Stellen auf die vor genannten Stellen verwiesen, jedoch es erfolgt kein umfangreicher bzw. erschöpfender Verweis darauf.

Projekt-Neuigkeiten

Volksschule Pirching am Taubenberg: Klimafitte Vorzeige - Sanierung

Die Volksschule in Edelstauden wurde in den Jahren 1960 bis 1961 errichtet. 1994 wurde sie um einen Turnsaal erweitert und eine Eltern-Kind-Gruppe angebaut. Aufgrund der Gemeindefusion mit den Gemeinden Edelstauden und Frannach entstand die Möglichkeit für die neue Gemeinde Pirching am Traubenberg, die bestehende Volksschule in Edelstauden mit der Schule in Frannach zusammenzulegen. Das Gebäude der ehemaligen Volksschule in Frannach wird als Kindergarten nachgenutzt.

Die Schule in Edelstauden wurde im Jahre 2020 generalsaniert. Die Generalsanierung war dringend notwendig, um das Bestandsgebäude an die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Barrierefreiheit und des Brandschutzes anzupassen. Besonderer Wert wurde auf klimafreundliches Bauen und Sanieren gelegt. Verwendet wurden fast ausschließlich heimische Materialien, vor allem Holz. Die Beauftragung von heimischen Firmen garantierte möglichst kurze Transportwege. Um Rohstoffe zu sparen, wurde das alte Mauerwerk erhalten und keine zusätzlichen Wärmedämmungen angebracht. Dadurch bleibt das Gebäude diffusionsoffen. Nach Norden wurde das Gebäude geöffnet, der Einfall von Tageslicht erspart an vielen Tagen die Beleuchtung durch elektrischen Strom. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt durch Pellets, auf eine Klimaanlage wurde bewusst verzichtet.

Die Klassenräume befinden sich auf der Südseite. Durch einen Balkon sowie einen durchgängigen Sonnenschutz aus Holz bleibt es auch an heißen Tagen angenehm kühl. Jede Klasse hat einen eigenen zugeordneten Freibereich, außerdem gibt es eine Freiluftklasse. Der komplett grüne Innenhof wurde als solcher erhalten, neue Bäume wurden gepflanzt. Ein Baum beschattet das neue Mini-Amphitheater. Ein kleiner Sportbereich sowie Trinkbrunnen runden die „kühlende Schule im Grünen“ ab.

Bei der Planung wurde versucht, nicht nur die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, sondern vor allem auf die Bedürfnisse der Kinder Rücksicht zu nehmen. Für die Schüler und Pädagogen wurde eine offene Schule errichtet, wobei in allen Geschoßen sogenannte Marktplätze geschaffen wurden, welche für die Pausen und Veranstaltungen genutzt werden können.

Siegfried Neuhold, Bürgermeister von Pirching am Traubenberg, ist die treibende Kraft hinter dieser Vorzeigesanierung: „Mit der Generalsanierung der neuen Volkschule Pirching /T. ist eine der schönsten und zum Wohlfühlen einladende Schule für Schüler und Lehrer in der Steiermark entstanden. Die wichtigsten Punkte für uns als Gemeinde waren die Regionalität, die Schonung von Ressourcen, die Nachhaltigkeit, die Verwendung von eigenen Rohprodukten wie z. B. Holz sowie die natürliche Beschattung ohne Technik, um damit einen positiven ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.“

Foto: Gemeinde Pirching am Traubenberg
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200908_VS_Pirching.pdf

Beispiel Hochwasserschutz

Der Hof wurde in regelmäßigen Abständen von anfallendem Hangwasser vermurt bzw. überschwemmt, das letzte mal im Frühjahr 2018. Betroffen war dabei das Wirtschafts- und Stallgebäude im Hof, welches mittlerweile als Wohnung genutzt wird.

Momentan ist als Schutz ein Provisorium mit Brettern errichtet, Architekt Oster aus St. Georgen an der Stiefing hat einen Gestaltungsvorschlag für einen nachhaltigen Schutz erarbeitet.